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Messbarkeit im KI-Marketing: welche KPIs wirklich zählen

Veröffentlicht am5 Min. Lesezeit
Helle Büroecke mit ruhigen Analytics-Charts auf zwei Bildschirmen

Bei der Mediengruppe RTL habe ich über 100 Social-Media-Profile mit mehr als 20 Millionen Fans verantwortet. Das stand damals in jeder Präsentation, und es klang jedes Mal grossartig. Heute sage ich Ihnen: Diese Zahl war die unwichtigste im ganzen Reporting. 20 Millionen Fans sind nichts wert, wenn daraus keine Wirkung entsteht. Keine Diskussion unter dem Beitrag, kein Einschalten zur Sendung, kein Ticketkauf, nichts.

Gelernt habe ich das ganz unten, als Praktikant im Community Management bei GZSZ.de. Wer täglich Kommentare liest und beantwortet, entwickelt ein Gespür dafür, wann eine Community lebt und wann sie nur gross ist. Fast sieben Jahre RTL später war mir klar: Reichweite ist eine Voraussetzung, kein Ergebnis. Und genau diese Verwechslung erlebe ich heute wieder, nur diesmal im KI-gestützten Marketing.

Vanity-Reichweite: die bequemste Zahl der Welt

Reichweite ist so beliebt, weil sie immer liefert. Irgendeine grosse Zahl kommt am Ende des Monats immer heraus, und grosse Zahlen fühlen sich nach Erfolg an. Nur beantwortet Reichweite die falsche Frage. Sie sagt Ihnen, wie viele Menschen Ihren Inhalt theoretisch gesehen haben könnten. Sie sagt Ihnen nicht, ob irgendjemand deshalb etwas gedacht, gefühlt oder getan hat.

Im Phantasialand habe ich das von der anderen Seite gesehen. Rund zwei Millionen Besucher pro Jahr, ein sehr konkretes Geschäft: Menschen müssen ins Auto steigen und durch das Drehkreuz gehen. Da nützt Ihnen ein viraler Beitrag wenig, wenn er die falschen Leute erreicht. Ein Beitrag, der tausend Familien aus der Region zum Ausflug bewegt, schlägt einen, der eine Million Fremde kurz amüsiert.

Was KI wirklich verändert: Tempo und Stückkosten

KI verändert im Marketing vor allem zwei Dinge: wie schnell ein Inhalt entsteht und was er kostet. Wir betreiben bei ORION AI und BE BRAVE über 30 produktive KI- und Digital-Produkte, von Content-Automatisierung über Voice-Agents am Telefon bis zur Live-Übersetzung von Streams in drei Sprachen. Der gemeinsame Nenner: Dinge, die früher Tage brauchten, brauchen heute Stunden oder Minuten.

Genau deshalb brauchen Sie neue Messgrössen. Wenn Produktion fast nichts mehr kostet, ist der Satz 'Wir haben diesen Monat 40 Beiträge veröffentlicht' keine Leistung mehr. Die Frage verschiebt sich: Wie schnell kommen Sie von der Idee zum fertigen Asset? Was kostet ein einzelnes Asset wirklich, inklusive Korrekturschleifen? Und was löst es aus? Wer weiter nur Output zählt, misst mit KI einfach schneller die falschen Dinge.

Auch die Agenturseite kenne ich gut. Als CEO der Heroes Germany in Köln habe ich erlebt, wie Kunden eigentlich Ergebnisse einkaufen wollten, aber Reports über Impressionen bekamen. Dieses Muster ist bequem für alle Beteiligten und nützt am Ende niemandem. Mit KI haben Sie die Chance, dieses Spiel zu beenden, weil Produktionsaufwand kein Argument mehr ist.

Die KPIs, die im KI-gestützten Marketing zählen

Wenn mich Kunden bei BE BRAVE fragen, was sie messen sollen, empfehle ich einen kleinen, harten Kern. Nicht zwanzig Kennzahlen in einem Dashboard, das niemand öffnet, sondern eine Handvoll Werte, die jeder im Team versteht und die konkrete Entscheidungen auslösen. Eine Kennzahl, aus der nie eine Handlung folgt, ist Dekoration.

  • Durchlaufzeit: von der Idee bis zum veröffentlichten Asset. Wenn KI hilft, muss dieser Wert sichtbar sinken, sonst automatisieren Sie nur Beschäftigung.
  • Kosten pro Asset: alle Kosten (Tools, Arbeitszeit, Korrekturen) geteilt durch nutzbare Assets. Ehrlich gerechnet, inklusive der Entwürfe im Papierkorb.
  • Engagement-Qualität: Kommentare mit Substanz, Antworten, geteilte Beiträge, Verweildauer. Ein Daumen ist ein Reflex, eine Nachfrage ist Interesse.
  • Wirkung im Geschäft: Anfragen, Anmeldungen, Käufe, die sich einem Inhalt zuordnen lassen. Grob zugeordnet reicht, gar nicht zugeordnet reicht nicht.
  • Korrekturquote: wie viele KI-Entwürfe Sie unverändert nutzen können. Der ehrlichste Indikator dafür, ob Ihr Setup wirklich funktioniert.

Engagement-Qualität: das Erbe aus dem Community Management

Engagement-Qualität klingt weich, ist aber messbar. Sie müssen nur aufhören, alles in einen Topf zu werfen. Ein Like ist ein Reflex im Vorbeigehen. Ein Kommentar mit einer echten Frage ist ein Gesprächsangebot. Eine private Weiterleitung an einen Freund ist eine Empfehlung. Wenn Sie diese Signale getrennt zählen und gewichten, sehen Sie sehr schnell, welche Inhalte tragen und welche nur glänzen.

Als wir mit Vidpresso den ersten professionellen Facebook-Livestream zu einem Klitschko-Boxkampf realisiert haben, war die spannendste Zahl nicht die Reichweite. Es war das, was im Stream passierte: wie lange die Leute blieben, was sie fragten, wie sie Runde für Runde mitgingen. Ein Livestream verzeiht nichts, da sehen Sie Wirkung in Echtzeit. Diese Denkweise können Sie auf jedes Format übertragen.

Der Fallstrick: KI macht auch Belanglosigkeit billiger

Eine ehrliche Warnung gehört dazu: KI senkt die Produktionskosten für gute und für austauschbare Inhalte gleichermassen. Wer vorher belanglose Beiträge veröffentlicht hat, kann das jetzt zehnmal so oft. Die Feeds sind voll davon. Genau deshalb wird Engagement-Qualität wichtiger, nicht unwichtiger: Sie ist die Kennzahl, die Ihnen sagt, ob Ihre gestiegene Menge überhaupt noch jemanden erreicht.

Als CDO eines Schweizer Livestreaming-Scale-ups habe ich zudem gelernt, wie schnell Grossproduktionen Budgets verbrennen, wenn niemand die Wirkung misst. Die gleiche Disziplin gilt im Kleinen: Bevor Sie mit KI mehr produzieren, definieren Sie, woran Sie Erfolg erkennen. Sonst haben Sie am Ende nur mehr Material und die gleichen offenen Fragen.

Fangen Sie mit drei Zahlen an

Mein konkreter Vorschlag: Nehmen Sie sich für das nächste Quartal genau drei Kennzahlen vor. Die Durchlaufzeit von der Idee bis zur Veröffentlichung, die Kosten pro nutzbarem Asset und eine selbst definierte Engagement-Qualität, die zu Ihrem Geschäft passt. Messen Sie vier Wochen lang den Ist-Zustand, bevor Sie irgendetwas verändern. Erst dann sehen Sie, was KI bei Ihnen wirklich bewirkt.

Aus fast sieben Jahren RTL habe ich eine einfache Wahrheit mitgenommen: Grosse Zahlen schmeicheln, Wirkung zahlt. Das galt bei 20 Millionen Fans, und das gilt bei ein paar tausend Newsletter-Abonnenten genauso. Welche Ihrer aktuellen Marketing-Kennzahlen würde eine Entscheidung ändern, wenn sie morgen halbiert wäre? Wenn Ihnen darauf keine Antwort einfällt, lohnt sich ein Gespräch. Schreiben Sie mir gern.

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